Eine Pflanze namens Freundschaft...

Zögernd und vorsichtig näherte Scheherezade sich der unscheinbaren Pflanze, um jene dann ausführlich zu betrachten. Das letzte Mal war schon eine Weile her und ein winziger Teil von ihr hatte gehofft, dass sich etwas verändert hatte in der Zeit. Aber der Zustand der Pflanze war unverändert, nein….genau genommen gab es doch eine Veränderung, sie hatte auch ihr letztes Blatt verloren und präsentierte sich nun völlig kahl, ein kleiner gelb-grünlicher Stängel, der schon wieder geschrumpft zu sein schien.
Vergeblich suchte Scheherezade nach einem Zeichen, dass sie sich irrte, irgendeinen Hinweis, ein winziger grüner Spross, der ihr zeigte dass die Pflanze nicht eingehen würde trotz all ihrer Bemühungen. Doch noch während sie den kümmerlichen Rest genau untersuchte, wusste sie insgeheim, dass sie nichts finden würde. Es war eher so, als würde Scheherezade nach Bestätigung suchen, um sich endgültig etwas einzugestehen, das ihr schon seit längerer Zeit bewusst gewesen war.
Vielleicht hatte sie es schon von Anfang an gewusst, als sie vor über drei Jahren den Samen eingepflanzt hatte. Es war nicht das erste Mal gewesen, dass sie genau diesen Ort dafür gewählt hatte und es war auch nicht das erste Mal, dass dieser Samen sich hier nicht entwickelte, nur für eine kurze Weile wuchs, um dann wieder einzugehen. Scheherezade hatte lange gezögert noch einen Versuch zu wagen, einen dieser kostbaren Samen zu opfern und zu sehen was sich daraus entwickeln würde. Eines Tages jedoch hatte sie sich entschlossen das Risiko einzugehen, der verlockenden Aussicht nachzugeben, das jener Ort diesmal sicher sein würde vor schädlichen Einflüssen.
Es hatte sie mit Freude erfüllt zu sehen, wie der Samen keimte, die ersten grünen Triebe sich durch die harte Decke des Bodens schoben, großer und kräftiger wurden. Anfänglich schütze sie die zarte Pflanze mit einem Zaun und einer gläsernen Kuppel aus Sorger das Wetter oder Schädlinge könnten jene verletzen. Mit der Zeit jedoch schien ihr der Schutz nicht mehr nötig, Stück für Stück entfernte sie jenen und immer noch wuchs sie weiter, entwickelte neue Triebe und Blätter, eine Zeitlang trug sie sogar eine wunderschöne Blüte. Ihre Aufmerksamkeit richtete sich immer mehr auf diese eine Pflanze, immer mehr Zeit verbrachte sie nur mit ihr an jenem Ort, der so anders war, als jener wo ihrer Pflanzen normalerweise wuchsen. Er war gezeichnet von der Flüchtigkeit des Moments, niemand schien hier seinen Pflanzen auf lange Sicht Aufmerksamkeit schenken zu wollen. Es wirkte als hätte jeder hier Samen im Überfluss und pflanzte sie wahllos ein, ohne darüber nachzudenken was aus ihnen werden würde, wenn sich niemand mehr darum kümmern würde.
Trotzdem klammerte Scheherezade sich an den Gedanken, dass ihre Pflanze es diesmal schaffen würde, dass sie nicht wieder eingehen würde und so umsorgte sie diese geradezu aufopferungsvoll, versuchte die jungen Triebe vor dem wechselhaften Wetter und gefräßigen Schädlingen zu bewahren. Doch eines Tages musste sie erkennen, dass sie aufgehört hatte zu wachsen, noch schlimmer sogar, dass sie an Kraft verlor. Die prächtige farbenfrohe Blüte begann zu verwelken, ließ den Kopf hängen, bis sie schließlich vertrocknete und abfiel. Egal was Scheherezade auch versuchte, wie sehr sie sich um diese Pflanze weiterhin bemühte, sie vor den immer wiederkehrenden Stürmen und fressenden Parasiten bewahrte, sie schwand zusehends dahin. Noch immer wollte sie nicht aufgeben, mit all ihrer Energie, Zuneigung und Leidenschaft kämpfte sie darum die Pflanze am Leben zu erhalten. Das Wetter schien sich gegen sie verschworen zu haben, immer seltener ließ die Sonne sich blicken, Regen und Wind hinderten das Gewächs stetig öfter daran weiter zu wachsen. Schließlich dann entdeckte sie eines Tages versteckt unter dem letzten großen grünen Blatt einen dicken hässlichen Schädling, der sich tief in den saftigen Stängel verbissen hatte. So fest, dass ihr nicht mehr möglich war ihn dort wieder zu lösen oder anderweitig zu vertreiben.
Scheherezade musste erkennen, dass sie es nicht allein schaffen konnte diese Pflanze zu retten. Der Boden, der sich ihr anfänglich so fruchtbar und voller Nährstoffe präsentiert hatte, wirkte nun mittlerweile ausgetrocknet und irgendwie leblos. Fast so als hätte er gewartet, bis die Pflanze groß genug geworden ist, um sie dann langsam und stetig auszusagen, ohne ihr etwas zurück zu geben, was sie am Leben erhalten würde. Sie stellte fest, dass nur sie allein es gewesen war, die diese Pflanze in den letzten Wochen und Monaten daran gehindert hatte schon früher einzugehen. Ihre Energie und ihr Glaube daran, dass es sich diesmal nicht wiederholen würde, waren der Grund dafür, dass die Pflanze noch immer existierte. Sie musste eine Entscheidung treffen, denn auch wenn der Parasit sie nicht sofort eingehen lassen würde, so wusste sie doch, dass er sich langsam immer tiefer fressen würde.
Also entschloss Scheherezade sich abzuwarten, um zu sehen was passieren würde, wenn sie ihr nicht mehr die Aufmerksamkeit und Pflege zuteilwerden ließ. Tage vergingen, dann Wochen und schließlich wurden es Monate in denen sie die Pflanze aus der Entfernung beobachtete, ohne sich ihr jedoch zu nähern und sich um sie zu kümmern. Es war schwer zu sehen wie die Pflanze immer mehr verkümmerte und mehr als einmal war sie versucht doch wieder einzugreifen. An einen oder zwei Tagen machte es sogar den Anschein als würde sich die Sonne wieder durch die dicke Wolkendecke schieben, um der Pflanze neue Kraft zu geben, aber sie war so schnell wieder verschwunden, dass sie den Eindruck hatte, sie hatte sich nur gezeigt um sie selbst wieder zu der Pflanze zu locken. Scheherezade widerstand der Versuchung nachzugeben, auch wenn es sie immer wieder traurig machte, dem kümmerlichen Überrest beim Sterben zuzusehen. Solange sie sich nicht sicher sein konnte, dass die Pflanze auch ohne ihre Fürsorge und ihre Pflege überleben würde, wäre jede weitere Bemühung sinnlos.
So stand sie dann also heute vor dem kränklichen Überbleibsel der einstmals so prächtigen Pflanze und überlegte ob sie sich ihre Schönheit vielleicht nur eingebildet hatte. Scheherezade würde nicht zulassen, dass sie ebenfalls so jämmerlich eingehen würde, wie schon die anderen beide vor ihr. Langsam beugte sie sich zu dem dünnen Stengel runter, umfasste ihn sanft mit zwei Fingern und zog ihn vorsichtig aus dem Boden. Für einen Moment fühlte sie sich als würde sie ihn direkt aus ihrem Herzen ziehen, doch sie wusste genau der Schmerz würde verblassen und es gab immer noch genug andere Pflanzen, die auf einem anderen Boden wuchsen. Wundervoller Boden, so voller Leben und Energie, dass die Pflanzen jedem Wetter trotzen und jeden Schädling abschüttelten, auch wenn sie selbst sich einmal nicht drum kümmern konnte. Pflanzen bei denen sie jetzt Trost finden würde, wenn sie diesen Ort für immer verließ und es nichts mehr zurück bleiben würde, was an diese Pflanze erinnerte…..
Schwarzer Engel - 20. Feb, 14:49

Wo etwas stirbt taucht auch etwas auf.

Freundschaft ist wie eine Pflanze. So sehe ich es auch. Eine Pflanze die man pflegen muss. Nicht nur alleine sondern mit der anderen Seite mit der man die Freundschaft führt. Aber manchmal wird uns diese Freundschaft nicht erlaubt. Sie wird uns nicht gestattet. Und so pflegen wir die Pflanze vergebens. Wir können sie nicht blühen lassen. Nicht am Leben erhalten weil, es nur von einer Seite kommt. Aber das wollen wir hier und da nicht wahr haben. Wir sehnen uns wie diese Pflanze nach dieser Aufmerksamkeit aber das sind nur Lügen. Wir halten uns an jedem Lichtstrahl feste und wollen diesen der Blume geben. Aber die Blume geht weiter ein. Und wenn diese Blume dann tot und verdorben ist, sind wir traurig. Die Tränen sind das letzte was wir der Blume schenken können. Und dabei sind wir so auf die Blume fixiert das wir gar nicht bemerken das schon längst eine neue kleine Pflanze aus der Erde schaut. Das diese vielleicht in dieser Not groß werden will. Wie eine kleine Hoffnung.
Und das traurige ist, oft sehen wir es nicht weil wir zu sehr mit dem alten beschäftigt sind und uns dann was neues suchen. Und so gehen diese kleinen Blumen ein. Weil die andere Seite die diese Hoffnung erschaffen hat, nicht bereit ist sich Illusionen hin zu geben. Oder einfach versteht das es nur so klein bleiben soll. Und so kommen in unserem leben Menschen und so gehen sie auch. Und wenn wir es richtig anstellen. Können sie gehen ohne das es uns zu sehr schmerzt. Ohne das eine Pflanze kaputt geht. Sie bleibt einfach nur sehr klein und unbemerkt.

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