Gelöscht

Mit leeren Blick starrte Scheherezade auf den Bildschirm vor sich, die rechte Hand verharrte regungslos auf der Maus, während sie innerlich mit sich kämpfte. Nicht zum ersten Mal hatte sie diesen Entschluss gefasst, doch nie zuvor war sie so entschlossen gewesen. Sie fragte sich warum sie noch überlegte, warum es ihr so unendlich schwer fiel diesen Schritt hinter sich zu bringen…diesen einen letzten Schritt , um es endgültig zu beenden. Doch ein kleiner Rest ganz tief in ihr drinnen hatte immer noch dieser verrückte, naive Hoffnung es würde doch noch einen anderen Weg geben.
Aber sie hatte es so satt zu leiden, sie hatte genug davon ihre Gedanken immer wieder um ihn kreisen zu lassen, sich zu fragen woher diese verdammte Gleichgültigkeit kam und warum es ihr immer wieder die Tränen in die Augen trieb, wenn sie länger darüber nachdachte. Weinte sie tatsächlich um sich, war es nur reines Selbstmitleid, weil sie wieder einmal so dumm gewesen war Worten Vertrauen zu schenken…Worte eines völlig Fremden, trotz all der Zeit die sie miteinander telefoniert oder geschrieben hatten. Weinte sie um die Freundschaft, die ihr immer viel mehr bedeutet hatte als ihm, für die sie zweitweise bereit gewesen war alles zu tun, in der sie immer die Gebende gewesen war und kein Wunsch von ihr ihm jemals wichtig genug gewesen war, ihn ihr einfach zu erfüllen, egal um was es sich handelte.
Wieder einmal saß sie hier und weinte, während sie gleichzeitig unglaublich wütend wurde. Die Gefühle fuhren Achterbahn in ihr und sie hatte wie so oft den unbändigen Wunsch ihm ihre Meinung laut ins Gesicht zu schreien, ihm einmal nur zu sagen, was für ein unglaublicher Feigling und Lügner er sie , obwohl er sich dabei viel mehr selbst belog, als er sie belogen hatte. Und er hatte sie tatsächlich belogen, eine Tatsache die sie immer noch genau so wenig fassen konnte, wie seine Unfähigkeit es zuzugeben zu können, selbst in dem Moment als sie es ihm direkt auf den Kopf zusagte, verkaufte er ihr nur die halbe Wahrheit als Ganze. Zu diesem Zeitpunkt war es bei ihr vorbei gewesen, sie hätte ihm viel verzeihen können, vielleicht sogar diese Lüge, wenn er sie letztlich doch zugegeben hätte, wenn er wenigstens in diesem Punkt aufrichtig gewesen wäre. Aber die Feigheit hatte bei ihm wieder immer gesiegt, so wie sie immer gesiegt hatte und so wie sie irgendwann über sein ganzes Leben siegen würde. Genau soviel war sie ihm wert gewesen…..Halbwahrheiten…mehr nicht. Was aber genau genommen wunderbar zu der Fantasiewelt passte in die er sich nur liebend gerne zurück zog und die ihm jede Möglichkeit nahm sein Sozialverhalten zu ändern. Oh….sie wusste genau sie kam langsam an einem Punkt an dem sie nicht mehr fair sein konnte und es auch nicht mehr wollte. Nein, sie wollte ihm sagen für was für ein Arschloch sie ihn hielt und wie unglaublich er sie mit seinem Verhalten verletzt hatte. Aber es würde doch nichts ändern, genauso wie jedes Gespr-äch, jede Erklärung, jeder Versuch ihm zu zeigen was sie fühlte und dachte auch nichts geändert hatte. Sie hatte sich ihren Ängsten gestellt, als sie ihn kennenlernte, sie hatte ihr Herz geöffnet, ihm Vertrauen geschenkt, jedoch am schlimmsten war dass sie sich selbst untreu geworden war. Sie hatte ihre eigenen Bedürfnisse ganz weit nach hinten gestellt, nur um ihm jederzeit seine zu erfüllen. Was hatte sie nicht alles für ihn getan, wie oft hatte sie ihm zugehört, ihn getröstet , ihn Mut gemacht….verschenkte Zeit?
Sie war sich nicht sicher, denn auch wenn sie einen Bruchteil von dem zurückbekommen hatte, was sie ihm gab, so war nicht sie die Verliererin. Doch es war ihr kaum Trost im Moment, da sie wusste, er würde es nie erkennen, was er durch seine Angst und Gleichgültigkeit verloren hatte.
Es war viel Zeit vergangen seit ihrem letzten Gespräch, Zeit in der sie gehofft hatte er würde das Gespräch suchen, ihr vielleicht eine Erklärung geben können, damit sie nicht jedes Wort von ihm in der Vergangenheit nun anzweifeln musste, dass sie jetzt glaubte es wäre einfach nur ein Spiel gewesen dessen er nun überdrüssig wurde, weil sie mehr Realität wollte. Zu wichtig schien es ihm zu sein diese Fantasie weiterzuleben, zu unwichtig das was sie wollte. 87 Tage war es nun her und bis auf zwei jämmerliche Versuche seinerseits mit belanglosen Floskeln eine Reaktion von ihr zu fordern herrschte absolutes Schweigen. Kein Zeichen, welches erkennen ließ, dass sie in den Jahren wirklich dieser wichtige Mensch für ihn gewesen war, wie er es immer wieder betonte. Nein, dieses Schweigen ließ nur eine Schlussfolgerung zu: Es störte ihn nicht und es war ihm nicht wert darum zu kämpfen.
Scheherezade war es müde zu kämpfen, vor allem, wenn sie nicht wusste, worum sie eigentlich kämpfte. Sie wollte nicht mehr darüber nachdenken, sich nicht mehr fragen ob sie etwas falsch gemacht hatte, was sie vielleicht anders hätte machen können. Es war genug, sie hatte ihm Zeit, Zuneigung und Verständnis geschenkt, aber er wusste mit diesem Geschenk nichts anzufangen, also musste sie eine Entscheidung treffen. Wieder einmal blieb es bei ihr hängen zu entscheiden, wie es weitergehen würde, wieder einmal drückte er sich davor es zu tun. Sie wollte diesen Stachel aus ihrem Herzen ziehen, wo er immer wieder einen bohrenden Schmerz verursachte, sie gefangen hielt und ihre eigenen Ängste schürte, sich auf etwas Neues einzulassen, einen fremden Menschen trotz dieser Erfahrung zu vertrauen, nicht zu denken, dass es wieder passieren würde, sondern dass es andere gab als ihn, die ihren Wert erkannten und auch zu schätzen wussten. Sie würde den Weg weitergehen, der sie viel Kraft gekostet hatte bisher, aber der sie mit jedem Schritt weiter zu sich selbst brachte. Er würde sie nicht davon abhalten und auch nicht zum Straucheln bringen, diese Tränen heute würden die letzten sein, die sie wegen ihm weinte.
Er hatte seine Chance…..87 Tage lang, unendliche viele Stunden und ebenso viele Gelegenheiten sie zu nutzen, aber nun musste es vorbei sein. Er war kein Teil ihres Lebens mehr, aber es warteten andere darauf es zu werden. Dazu musste sie sich nur endgültig von ihm befreien, mit einem sauberen und glatten Schnitt.
Langsam bewegte sich der Mauszeiger über den Bildschirm und Klick für Klick löschte sie seinen Namen aus Kontaktlisten und seine Fotos aus den Ordnern, bevor sie nach ihrem Handy griff und auch dort jede Spur von ihm löschte und ihn somit auch aus ihrem Leben. Es tat weh, unglaublich weh, es schnürte ihr den Hals zu und die Tränen liefen ihr über die Wangen, aber jetzt würde es besser werden…..Tag für Tag ein wenig mehr.
Schwarzer Engel - 20. Feb, 14:39

Puppen ohne Gesicht.

Jede Puppe in unserem Schrank, früher in unsserem Kinderzimmer hatte ein Gesicht. Wir gaben diesem Gesicht einen Namen. Wir stellten uns vor wie sie lacht. Wir stellten uns auch vor wie sie weinte oder wie sie uns Trost gab ohne auch nur ein Wort zu sagen. Aber wir konnten sie anfassen. Wir konnten sie drücken ihren Geruch wahr nehmen. Ja er war so verdammt Real. Hier aber sehe ich dich als Puppe. Eine Puppe ohne Gesicht. Du hast keinen Namen. Du hast keinen Realen Duft. Aber du hast dich zu einer Puppe gemacht. Nur ohne Gesicht. Und so wurdest du behandelt. Brauchte dein Gegenüber Trost hat er dich aus dem Regal genommen. Brauchte dein Gegenüber dich nicht, hat er dich in die Ecke geworfen. Exakt so wie wir es alle als Kinder gemacht haben. Das du dich nun wehrst das ist in der tat sehr gut. Er stirbt aus deinem Leben...doch bedenke. Tote tauchen manchmal wieder auf, so wie Puppen. Zeit heilt viele Wunden weiter so!

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